GOETTLERplus.de

Für ein Durchdachtes Parkraum-management

04.01.2020: Das kürzlich im Stadtrat behandelte Parkkonzept hat zwei Ebenen: eine formale, wie es entstanden ist, und eine andere, die inhaltliche Ebene. Über ein Parkkonzept diskutieren die Dinkelsbühlerinnen und Dinkelsbühler bereits seit vielen Jahren, meist auch im Gesamtzusammenhang mit einem Konzept, das auch den fließenden Verkehr berücksichtigt; das Letztere anzugehen vermeidet die aktuelle Stadtpolitik
.
Die Stadt beauftragte ein Büro, das gemeinsam mit einigen ausgewählten Vertretern ein Konzept erstellte und dieses im Stadtrat vorstellte. Das ist soweit alles okay. In der Stadtratsvorlage gibt es keinen Beschlussvorschlag, das ist auch okay - wenn man in dieser Sitzung auch nichts beschließt! Dann könnte nämlich das Konzept mit der Bürgerschaft diskutiert und in den Schwachpunkten korrigiert werden, bevor der Stadtrat Beschlüsse fasst!

Aber: Die Stadträte beschließen in der Sitzung: Erster Beschluss: Eine Fußgängerzone wird nicht verfolgt - das hat mit dem Parkkonzept nichts zu tun! Als zweites werden Abweichungen vom vorgestellten Konzept beschlossen. Und dann: Ohne die Regelungen konkret zu nennen, werden die "restlichen Punkte im Parkraumkonzept des Büros SSP consult befürwortet". Zu diesem Zeitpunkt weiß keiner der Anwesenden im kleinen Schrannensaal mehr, welche Regelungen das Konstrukt beinhaltet.

Die Verwaltung weist in der Sitzung immer wieder darauf hin, dass bei Bedarf nachgesteuert wird. Wenn die ersten Gaststätten und Geschäfte, Gewerbetreibende und Freiberufler die Altstadt verlassen haben, ist es definitiv zu spät für ein Gegensteuern!

Die Partei des aktuellen Amtsinhabers veranstaltet im Anschluss einen Info-Abend, um uns Dinkelsbühlern zu sagen, auf was wir uns einstellen müssen: Bei dem Konzept zur "Parkraumbewirtschaftung" hat man also zuerst etwas beschlossen und dann den Dinkelsbühlern erklärt, welche Probleme sie mit dem Konzept haben werden. Bürgerbeteiligung geht anders. Man spricht vorher mit seinen Mitbürgern in der Altstadt, der Kernstadt und den Ortsteilen, welche Probleme sie haben und versucht dann diese zu lösen. Gemeinsam.

Parkkonzept 2

In der Sitzungsvorlage ist die inhaltliche Zielrichtung klar genannt: Es geht um die Parkraum-BEWIRTSCHAFTUNG. Das Instrument soll also dazu dienen, dass mit dem Parkproblem Einnahmen generiert werden. In Fachkreisen spricht man heute von Parkraum-MANAGEMENT; im Mittelpunkt steht die bestmögliche Nutzung der vorhandenen Stellplätze im Konsens aller Beteiligten (Stadt, Gewerebe, Privatpersonen), die möglichen Einnahmen über Parkgebühren sind ein Nebeneffekt.

Anhand einiger Alltagssituationen werden Konsequenzen des Konzepts deutlich:

  • Drei Freunde (aus Sinbronn, Weidelbach, Wilburgstetten) treffen sich in einer Gaststätte in der Altstadt ‪um 20:00 Uhr‬, essen und trinken dort und fahren um 24:‪00 Uhr‬ wieder heim.
    Sie bezahlen ‪von 20:00 bis 23:00 Uhr‬ pro Stunde Parkgebühr und dann die Nachtpauschale von 10,00 €. Das war das teuerste und deswegen das letzte Mal, dass sie sich in Dinkelsbühl in einer Kneipe getroffen haben.
  • Die Großmutter soll aus Holzapfelshof zum Babysitten in die Föhrenberggasse kommen. Da sie auf einen Rollator angewiesen ist, muss sie absagen: der Zugang vom TSV Parkplatz ist nicht barrierefrei, in der Bewirtschaftungszone bezahlt sie pro Stunde die Parkgebühr und hat auch Probleme, mit dem Rollator in die Föhrenberggasse zu kommen.
  • Ein Anwohner in der Segringer Straße ist Getränke einkaufen. Nach der Suche nach einem Parkplatz (kostenpflichtiges Parken) in der Segringer Straße lädt er den Kasten aus; und danach muss der Anwohner sich in einer der hinteren Gassen einen der auch dort knappen Stellplätze suchen und dann wieder den Weg zur Wohnung nehmen.
  • Ein braver Bürger bringt seine Unterlagen in einer großen Kiste zum Steuerberater, dann parkt er sein Auto entweder in der Bewirtschaftungszone oder außerhalb der Altstadt und geht dann zu Fuß wieder zum Büro des Steuerberaters, weil er dort ja nicht parken darf. Wenn er heimgeht: er holt sein Auto, und fährt dann zum Steuerberater, um seine Unterlagen wieder mitzunehmen.

Die Liste lässt sich fortsetzen ... (Vermeintlicher) Gewinner des Konzepts: Der Empfänger der Parkplatzgebühren! Verlierer: Alle anderen!

Parkkonzept 3

Die Umsetzung des vorgeschlagenen Parkraumkonzepts ist ein Bürokratiemonster. Für die Abgrenzung der Bewirtschaftungszone von den Anwohnerbereichen bedarf es einer Vielzahl an Schildern, letztendlich an jeder Schnittstelle zwischen den beiden. Die Mischzone im Bereich der Schranne bedarf nochmals einer eigenen Beschilderung. Und dann sind da noch die Parkscheinautomaten im zentralen Bereich der Altstadt. Gegenüber den Unmengen an Verkehrsschildern sind diese aber noch erträglich. Das Bild der „schönsten Altstadt Deutschlands“ leidet darunter erheblich.

Für die Bewohner in der Altstadt ist die Aufteilung in Zonen auch eine Verschlechterung. Die Anwohner an den Rändern der Zonen können nicht in beiden Richtungen suchen, zusätzlich angrenzend an die Bewirtschaftungszone sind die Probleme noch größer. Hier ist auch die zeitliche Differenzierung mit der Bewirtschaftungszone eine zusätzliche Hürde, die der Einzelne kennen muss. Denn sinnvoll ist dieser ganze Aufwand nur, wenn er auch rund um die Uhr konsequent überwacht wird. Damit steigen der Verwaltungsaufwand und die Kosten der Stadt.

Mit dieser Komplexität entsteht Unsicherheit bei allen: Altstadtbewohner, Dinkelsbühler aus der Kernstadt und aus den Ortsteilen, Pendler aus dem Umland und Touristen werden deswegen Strafzettel erhalten, dies führt zu Unzufriedenheit und damit zu einer negativen Einstellung gegenüber Dinkelsbühl im Ganzen.
Mit einem einfachen, übersichtlichen und verständlichen Parkraummanagement können Schilder und Missverständnisse vermieden werden - zum Vorteil aller: der (Alt-)Stadt, dem Umland, den Gästen von nah und fern.

Parkraummanagement

Nicht erst seit der Bürgerumfrage wissen wir, dass  für das Parkplatzproblem von vielen Dinkelsbühlerinnen und Dinkelsbühlern eine Lösung gewünscht wird. Erstaunlich ist aber, dass eine der Ursachen von so vielen gleich eingeschätzt wird: die „Parkscheibendreher“. Wenn diese Unsitte durch vermehrte Kontrollen abgestellt wird, ist ein gewisses Potential an freien Parkplätzen bereits geschaffen.

Dass die Plaketten der Anwohner und der Gewerbetreibenden neu geregelt werden müssen, ist ebenso allen klar. Mit einer jährlich neu zu beantragenden Ausnahmegenehmigung können Karteileichen herausgesucht werden, und damit diese „Falschparker“ auf die Außenparkplätze verwiesen werden. Wenn man dann noch eine zusätzliche Steuerungsmöglichkeit benötigt, damit die Motivation steigt, außerhalb der Altstadt zu parken - dann kann man zum Instrument der Parkraumbewirtschaftung, sprich zu Parkgebühren und Parkscheinautomaten, übergehen. Parkplatzgebühren sind in den meisten Innenstadtlagen üblich und akzeptiert; hier kommt es auf das richtige Augenmaß an.

Dafür braucht es eine Regelung, die den Bedürfnissen der Anwohner, der Gewerbetreibenden, aller Dinkelsbühlerinnen und Dinkelsbühlern, den Gästen aus dem nahen Umland und Touristen gerecht wird: einfach und transparent.

Die einfachste Regelung ist dann, dass in der ganzen Stadt geparkt werden kann - die einenmit Plakette und die anderen mit Parkschein. Dazu bedarf es kein einziges zusätzliches Schild und dank „Smart(phone) Parking“ auch keinen Automaten mehr. Mit diesem Vorgehen wird aufbauend auf den bestehenden Regelungen entsprechend den Anforderungen sukzessiv ein System aufgebaut, das in kleinen Schritten die Stellschrauben justiert. Mit diesem Vorgehen muss man nicht schon vor der Einführung mit Abweichungen reagieren. Mit diesem Vorgehen schafft man Vertrauen in eine Handlungsweise, die nicht ändert um des Veränderns Willen, sondern für eine Verbesserung. Für alle.

Dies ist die Informationsseite des Dinkelsbühler Oberbürgermeisterkandidaten Holger Göttler. Bitte unterstützen auch Sie meine Kandidatur mit Ihrer Stimme bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020. Vielen Dank!

Aktuelle Informationen finden Sie auch auf www.facebook.com/goettlerplus

Impressum & Datenschutz