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Was wir heute von Raoul Francé lernen könn(t)en.

Das Universalgenie, das einst in Dinkelsbühl lebte, sah in der Stadt das Paradebeispiel einer lebenswerten Gemeinschaft.

02.10.2019: Raoul Heinrich Francé gilt heute für viele als einer der Begründer der Biotechnik. Er war mit 16 Jahren jüngstes Mitglied der Königlich-Ungarischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft und ganze Generationen von jungen Menschen wurden mit seinen im Kosmos-Verlag erschienenen Büchern mit naturwissenschaftlichem Forscherdrang angesteckt. Zuweilen wird der Botaniker und Philosoph gar als Universalgenie bezeichnet. Er machte in seinem Leben große Forschungsreisen in die Südsee, nach Australien, Afrika, Indien und Südamerika. Zwischen 1907 und 1919 war er Direktor des Biologischen Instituts in München und floh, verfolgt während der Zeit der revolutionären Umbrüche in der Landeshauptstadt, zu uns ins sichere Dinkelsbühl. Hier fand er sein „Asyl und Arbeitsnest“, wie er selbst einst über die Wörnitzstadt schrieb.

Und Dinkelsbühl spielte auch in seinen philosophischen Werken eine große Rolle. Im Zusammenhalt der Menschen der Stadt sah Francé einen gut auf sich eingespielten Organismus, der „alles Unselige, Not und Bedrängnis, die Feindschaft einer ganzen Welt“ überdauerte. In Dinkelsbühl glaubte Francé, diejenigen Gesetzmäßigkeiten entdeckt zu haben, die einen guten, lebenswerten Weg der Entwicklung darstellten. Nicht das deplatziert Hineingepropfte, sondern das organisch Gewachsene, war für ihn die Grundlage für eine gute Zukunft. Wörtlich schrieb er „Alles in ihr: Rathaus, Dom, Hospital, Stadttore und Mauern, Patrizierhäuser und Scheunen, Gärten und Bastionen, die alten Schränke und Truhen, die schönen Portale und Treppen, die prachtvollen Beschläge und Gitter an den Fenstern, der ganze köstliche Hausrat, mit dem sie noch erfüllt ist, das alles ist organisch, nicht aus Prunksucht, künstlerischen Absichten, durch Theorie, Kunstgeschwätz, Phrasen, Willkürlichkeit und Spekulation entstanden, sondern einfach nach dem jeweiligen Bedürfnis des Tages. [...] Will es Dauer, Kraft und Schönheit erhalten, muss es handeln wie der Organismus. Sich aus sich selbst heraus erneuern, organisch sein, wie es Dinkelsbühl war, solange es lebte.“

Aus historischer Warte muss man durchaus kritisch mit den Sichtweisen und Gedanken eines Raoul Francé umgehen. Nichtsdestotrotz sollten bestimmte Wahrnehmungen mehr denn je zum Nachdenken anregen. Dinkelsbühl ist bei den Touristen aus nah und fern so beliebt, weil es seine historische Stadtansicht fast vollständig bewahren konnte. Die Altstadt ist nicht nur Fassade im Stile eines Freizeitparks, sondern hat mit ihren denkmalgeschützten Häusern noch eine echte historische Substanz. Die Leistung, diese besondere Welt zu schaffen, liegt zuweilen viele Jahrhunderte zurück. Die Leistung, sie zu bewahren und nicht dem Zeitgeist zu opfern, ist mehr und mehr eine Aufgabe, der wir uns viel bewusster stellen müssen. Das Organische, von dem Raoul Francé einst sprach, wird durch scheinbaren Pragmatismus und dem Hang zu Großprojekten zunehmend gefährdet. In der Stadtpolitik der zurückliegenden Jahre rückte das richtige Maß und der damit verbundene Blick auf eine organisch gewachsene Entwicklung, die alle Menschen mitnimmt, in den Hintergrund. Für Francé war es einst klar. Die Zukunft der Stadt lief immer dann in guten Bahnen, wenn nicht Einzelinteressen im Vordergrund standen, sondern gemeinwohlorientierte Entscheidungen, mit der von ihm in klaren Worten formulierten Erkenntnis: „Arbeit fürs Ganze fördert am besten den Einzelnen“.

Wir leben heute in einem globalisierten, eng verflochtenen Wirtschaftsgefüge, mit seinen erheblichen Auswirkungen bis hinein in die kleinsten Winkel und Gassen unserer Stadt. Die Rezepte, mit denen von den eigentlich notwendigen und nachhaltigen Entscheidungen für das Gemeinwesen abgelenkt wird, könnte man mit Raoul Francés Worten wohl auch bereits als „Prunksucht“ beschreiben. Scheinbar strahlende Großprojekte, von denen nur wenige profitieren, lenken davon ab, dass Politik für alle gemacht werden muss. Der Blick über den Tellerrand zeigt, dass andere Städte da schon weiter sind. Gemeinsam klappt das!

Dies ist die Informationsseite des Dinkelsbühler Oberbürgermeisterkandidaten Holger Göttler. Bitte unterstützen auch Sie meine Kandidatur mit Ihrer Stimme bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020. Vielen Dank!

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