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Wirtschaft im Wandel

Wirtschaft im Wandel. Fit für die Zukunft? In wenigen Jahrzehnten hat sich in Dinkelsbühl viel verändert. Doch sind wir wirklich auf die Herausforderungen der Zukunft gut vorbereitet?

01.11.2019: Um den weitreichenden wirtschaftlichen Wandel in Dinkelsbühl greifbar zu machen, reicht ein Blick zurück in das Jahr 1965. Die Industrie- und Handelskammer Nürnberg begutachtete zu dieser Zeit die Entwicklungen der Wirtschaftswunderzeit mit dem Ergebnis für den damaligen Landkreis Dinkelsbühl, dass die Land- und Forstwirtschaft mit 250 Beschäftigten je 1.000 Einwohner unangefochten den wirtschaftlichen Spitzenplatz einnahm. Mit erheblichem Abstand folgten mit 90 Beschäftigten auf je 1.000 Einwohner das Handwerk, mit 80 die Industrie und mit 40 der Handel.

Kurzum: Ein wirklicher wirtschaftlicher Wandel fand, so auch die Meinung der IHK, bis dato nicht wirklich statt. Hier sieht man noch die Gemeinsamkeiten mit der Einschätzung eines Raoul Francé, der ja auch die große Kontinuität und die geringen äußerlichen Effekte und Einwirkungen auf den Wirtschaftsraum noch zum Ende der 1920er Jahre skizzierte. (Siehe dazu hier den Beitrag über Francé)

Zwar war Dinkelsbühl seit Ende der 1950er Jahre im Rahmen des damals aufgelegten Zentral-Punkte-Programms für Förderungen vorgesehen, die wirtschaftliche Lage wird aber mit der Bemerkung eingeleitet, dass „die Dinkelsbühler Karpfen ‚goldene Flossen‘ haben“ und bei der DLG-Prämierung im Jahre 1959 mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurden. Industriell dominierte Mitte der 1960er Jahre höchstens die Holzverarbeitung mit 700 Beschäftigten. Zur Kategorie der „holzverarbeitenden Industrie“ zählte allerdings auch die Pinselerzeugung, von denen es gleich drei Unternehmen in der Stadt und, so die IHK wörtlich, „eine bedeutende, weltbekannte mechanische Borstenzurichterei“ gab. Neben einer modernen Möbelfabrik, die seit 1958 zugezogen sei, findet auch eine Hutfabrik Erwähnung, deren Stammwerk im Sudetenland „vor dem Krieg Weltruf“ hatte und nun in Dinkelsbühl aus Nagetierhaaren Herren- und Damenhüte produzierte, die inzwischen sogar in den Vereinigten Staaten von Amerika nachgefragt  werden. Das Fazit zur Schaffung neuer Arbeitsplätze fällt gemischt aus. Zwar ist man sich einig, dass nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auch in Dinkelsbühl ein industrieller Aufschwung feststellbar war, aber so die IHK, „wird es doch noch mancher Industriealisierungserfolge bedürfen, um das Gespenst einer weiteren Abwanderung von Einwohnern endgültig zu bannen.“ Vierzig Prozent der 1.500 Auspendler aus dem damaligen Landkreis nahmen dabei Entfernungen von 50 bis 150 Kilometer in Kauf. Und für die IHK ist klar: „der Weitpendler von heute ist der Abwanderer von morgen“.

Fast 55 Jahre danach wird deutlich, wie sehr Dinkelsbühl vom wirtschaftlichen Wandel betroffen war. Nur wenige Betriebe, die in der damaligen IHK-Beschreibung Beachtung fanden, gibt es noch heute. Branchen, wie die Textilindustrie, wurden zuerst von Billiganbietern aus Europa und dann aus dem fernen Osten zur Aufgabe gezwungen. Dieser Blick zurück ist wichtig, damit wir hinterfragen, ob die Entscheidungen, die wir heute treffen, Dinkelsbühl wirklich fit für die Zukunft machen. Gibt es für junge Menschen gute und gutbezahlte Arbeitsplätze? Schaffen wir es, dass junge Menschen nach ihrem Studium wieder zurück in die Heimat kommen können? Setzen wir auf zukunftsträchtige Branchen, berücksichtigen wir in unserer Wirtschaftsförderungspolitik die großen Auswirkungen der Digitalisierung oder tun wir so, als sei die Globalisierung oder gar das Internet an der Stadtgrenze aufhaltbar? In den letzten Jahren hat Dinkelsbühl von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung unseres Landes profitiert, der Blick in die nähere Region zeigt aber, dass mit der Industrie 4.0 neue Rahmenbedingungen für hochqualifzierte und gut bezahlte Arbeitsplätze geschaffen werden, während wir in Dinkelsbühl medial vor allem das Pflücken von Tomaten hochleben lassen.

Wir brauchen eine Stadtpolitik, die die richtigen Schwerpunkte setzt und sich nicht nur auf die allgemeine konjunkturelle Entwicklung ausruht, zumal in Dinkelsbühl trotz sprudelnder Steuereinnahmen die Verschuldung exorbitant hoch geblieben ist. Sollten schlechtere Zeiten kommen – und US-Präsident Trump und der Brexit sind da ungute Vorboten - muss Dinkelsbühl handlungsfähig bleiben. Und das gelingt nur durch ein konsequentes Umdenken.

Quelle: Wirtschaftsraum Mittelfranken, gestern - heute - morgen. Eine Dokumentation der Industrie- und Handelskammer Nürnberg, Nürnberg 1965

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